25. November 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Händschke,

die FDP-Selm begrüßt bekanntlich die Teilnahme der Stadt Selm an der Regionale 2016. Sie eröffnet Möglichkeiten, Entwicklungen anzustoßen und voranzutreiben, die anderenfalls angesichts der finanziellen Notlage der Stadtkasse verwehrt wären. Auch bei den Planungen und der Durchführung des Masterplans WasserZwischenRäume ist allerdings der Grundsatz des sparsamen Einsatzes der Haushaltsmittel zu beachten. Auch wenn die Maßnahmen der Regionale größtenteils bezuschusst werden, muß die Stadt Selm die Eigenanteile aus eigenen Mitteln aufbringen.

Die Politik hat den Selmer Bürgern versprochen, die schmerzliche Erhöhung der öffentlichen Steuern und Abgaben ganz oder zumindest teilweise wieder zurückzunehmen, sobald wieder die Möglichkeit hierfür besteht.Um nicht wortbrüchig zu werden, muss u.a. auch eine Kosten-Nutzen Analyse der Planungen erfolgen. Wird -wie in der Vergangenheit häufiger geschehen- ohne Rücksicht auf Kosten munter drauflos geplant, ist die nächste finanzielle Misere absehbar.

Die FDP stimmt größtenteils den Zielen und Planungen des Masterplans zu. Eine Überarbeitung und Fortschreibung der Infrastruktur ist im Bereich Ternsche dringend erforderlich.

Die Maßnahmen am Dortmund-Ems Kanal/Alte Fahrt werden begrüsst. Die zeichnerische Darstellung der Aussichtspunkte mit Fernrohren sollte geändert werden. Der Bürgermeister von Olfen hat in der Bürgerversammlung in der Olfener Stadthalle erklärt, niemand plane die Errichtung eines Fernrohres. Möge dieses Wort gehalten werden. Anderenfalls sind die Anwohner westlich des Strandwegs in ihren Gärten  Paparazzi-ähnlichen Einsichten ausgesetzt.

Zustimmung verdient die Planung der Einrichtung der Steveraue. In Olfen kann die ansprechende Gestaltung bereits besichtigt werden.

Die Re-Naturierung der Stever ist sehr sorgfältig zu planen. Kann das Hochwasser nicht rechtzeitig abfliessen, setzt sich der Rückstau über Funne und Selmer Bach bis in das Stadtgebiet Selm fort. In der Vergangenheit stand u.a. das Gebiet Seiland (jetzt Campus Selm/Neue Stadt am Wasser/Aktive Mitte) unter Wasser. Um Überschwemmungen von Siedlungsbereichen zu verhindern, wurde damals die Stever „kanalisiert“. Der Hochwasserschutz hat unserer Aufassung nach ggf. Vorrang vor der Schönheit der Re-Naturierung.

Die weitere Vernetzung des Ternscher Sees mit Fuß-, Radfahr- und Reitwegen in Richtung Selm und Olfen / Lüdinghausen, insbesondere die Schaffung eines neuen Weges vom sog. Nordufer durch die Steverauen zur Schliekerbrücke(Kanal) und dem Yachthafen an der alten Fahrt, sind zu fördern.

Der Ausbau der maroden Straße Strandweg von der B 236 bis zum früheren Gasthaus Seeblick wird endlich den komplett anachronistischen Zustand beseitigen, dass der weitere Ausbau vom Seeblick bis zum Nordufer bereits vor Jahren erfolgte. Die Anlieger haben diesen Ausbau bis auf den kleinen städtischen Anteil allein getragen. Nutznießer des demnächst erfolgenden Ausbaus sind in erster Linie die Badegäste des Waldfreibades bzw. dessen Betreiber. Die Stadtverwaltung wird aufgefordert, mit dem Grafen von Hagen-Plettenberg über eine angemessene Beteiligung an den Baukosten zu verhandeln.

Den Anliegern ist seinerzeit zugesagt worden, einen Wendehammer am Haus Seeblick zu errichten, um die Einflutung der Pkw der Besucher in das Wohngebiet zu reduzieren. Diese Zusage wurde kommentarlos nicht eingehalten. Der Bürgermeister der Stadt Selm hat in der Bürgerversammlung erklärt, den Wendehammer bei der zukünftigen Baumaßnahme einzubauen. Weder im Text noch in den Zeichnungen ist der Wendehammer erkennbar. Eine Ergänzung ist erforderlich.

Die Seeerweiterung mit dem Wegfall des sog. Nordufers lehnen wir strikt ab. Das jetzige Nordufer ist unschwer fußläufig erreichbar. Es bietet der Selmer Bevölkerung Gelegenheit, auch ausserhalb des Freibads am Ufer zu lagern und Schwimmen zu gehen. Die oben an der Straße abgelegten dicken Baumstämme laden Fußgänger zur Rast mit einem guten Blick über die Wasserfläche ein. Die Aussperrung des Pkw Verkehrs erhöht den Erholungswert. Die Beseitigung des Nordufers macht diese Erholungsmöglichkeiten zunichte.

Stattdessen wird den Bürgern nur ein kleiner sog. Dorfanger zur Verfügung gestellt, der am Westufer zwischen die vorhandene und die neue geplante Bebauung gezwängt wird. Die Möglichkeiten der Besucher zur freien Nutzung des Sees werden ohne zwingenden Grund drastisch eingeschränkt.

Auch für die Anlieger des Sees ergeben sich Nachteile. Der “ freie“ Badebetrieb findet unmittelbar neben ihren Grundstücken statt. Die Geräuschkulisse wird erhöht, was vor allem in den Nachtstunden zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Wie Erfahrungen aus der Vergangenheit beweisen, meinen Gruppen von Badegästen, Feierlicheiten mit Musikbeschallung ausüben zu müssen, wobei der Geräuschpegel dem der steigenden Alkoholisierung folgt. Am nächsten Morgen reicht dann die Kondition nicht mehr, die dampfenden Reste des Lagerfeuers/Grills, der leeren und zum Teil zerbrochenen Flaschen sowie den sonstigen Müll zu beseitigen.

Die Seeerweiterung soll nicht den Menschen zum Lagern und Schwimmen, sondern durch Schilfanplanzung die Wasserqualität steigern und Fischen, Wasservögeln und sonstigen Tieren als Laichstätte, Kinderstube und Refugium dienen. Die Menschen sollen nur auf einem in gebührendem Abstand angelegten Weg um die Erweiterung herumgehen.

Wie soll es verhindert werden, dass Badegäste den Bereich okkupieren? Die Aufstellung von Schildern ist sicherlich nicht ausreichend. Ist ein 2- 3m hoher Zaun, der ein Überklettern unmöglich macht, angedacht? Wie soll das Eindringen durch Schwimmer oder Boote unterbunden werden?

Die Planung sieht zwar in der Zeichnung nett aus, scheint in der praktischen Durchführbarkeit aber nicht durchdacht.

Eine Schilfanpflanzung ist grundsätzlich sicherlich geeignet, Schadstoffe aus dem Wasser auszufiltern. Ob das Ziel am Ternscher See erreicht wird, ist mehr als zweifelhaft. Der See hat keinen Zulauf, sondern wird ausschlieslich von Quellen aus dem Grundwasser gespeist.Das Grundwasser wiederum wird aus Niederschlagswasser aufgefüllt, das durch das Erdreich sickert.

Im Bereich rings um den See wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Wie aus neuesten Verlautbarungen bekannt geworden ist, sind ca. 40% des Trinkwasserreservoirs in NRW mit Düngemitteln belastet. Das Wachstum der Algen und Wasserpflanzen im See legt den gleichen Verdacht nahe. Es wäre deshalb zielführender, die Landwirtschaft zur Reduzierung der Düngemittel- insbesondere des Gülle-Eintrags- zu veranlassen.

Letztlich sind die Kosten der Seeerweiterung zu beachten. An die Stelle des Nordufers soll ein Steg in Form einer Brücke treten. Neben den Baukosten, die sicherlich im fünfstelligen Bereich zu schätzen sind, fallen Pflege-, Reinigungs-, Unterhaltungs- und Reparaturkosten an. Einem Kosten/Nutzen Vergleich hält diese Planung nicht Stand.

Für die Seeerweiterung muss Erdreich in Höhe von mindestens 5m Mächtigkeit abgebaggert und abtransportiert werden. Ebenso grob wie vorsichtig geschätzt werden 200.000 bis 300.000 cbm bewegt werden. Über welche Straßen und wohin soll der Abtranstranport erfolgen? Wer trägt anschliessend die Kosten für die Wiederherstellung der Straßen, die durch den Schwerlastverkehr zerstört sind?

Die FDP vertritt die Meinung, eine Planung „ins Blaue hinein“, die erkennbar weder einer Kosten/Nutzen Rechnung standhält noch fiskalisch vertretbar ist, sollte nicht weiter verfolgt werden.

Ähnliches gilt für die projektierte Steganlage südlich der Bebauung der Staße am Ternscher See. Vor den Gärten befindet sich bereits jetzt ein Fußweg, ca. 2m vom Ufer entfernt. Am Ufer sind mehrere kleine Buchten, die zum angeln und baden genutzt werden. Ein Mehrwert, den Fußweg zu verlegen, ist nicht zu erkennen und würde zudem die Nutzung der Buchten unmöglich machen.

Die Errichtung von Steganlagen ist schlicht überflüssig. Lediglich der Angelverein und einige Anlieger haben Boote. Diese legen an ihren eigenen Stegen an. Besucher im Sommer nutzen im Wesentlichen Schlauchboote, die keine Steganlage erfordern. Im Übrigen fallen neben Bau- auch laufende Kosten für Wartung, Reparatur etc. an.

Die Neuordnung des Campingplatzes mit der Errichtung des Waldcampings und des Feriendorfs begrüßt die FDP. Die Modernisierung des vorhandenen Platzes sowie neue attraktive Angebote erschließen neue Kundenkreise und verhindern das Absinken des Niveaus.

Wir bitten um Beachtung unserer Einwendungen und Anregungen

FDP-Selm

Klaus Schmidtmann